Wiseman & Watkins – Eine Hommage
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Frederick Wiseman gilt als einer der bedeutendsten Dokumentarfilmer der Gegenwart. Im Laufe seiner fast 60-jährigen Tätigkeit hat er mit scharfem Blick die Funktionsweise US-amerikanischer Institutionen untersucht und dabei eine Sprache entwickelt, die auf dem Eintauchen in die dargestellten Milieus und dem Verzicht auf eine explizite Erzählung basiert: „Ich mag es nicht, Interviews zu führen oder Erzählstimmen einzufügen. Ich möchte, dass der Zuschauer das Gefühl hat, selbst dort zu sein.“ Gleichwohl verleihen eine sorgfältige Bildauswahl und ein geschickter Einsatz der Montage seinen Dokumentarfilmen eine kraftvolle dramatische Struktur und schaffen es, die Schattenseiten der Gesellschaft auf eindrucksvolle und manchmal verstörende Wiese ans Licht zu bringen.
Peter Watkins, Vertreter des britischen „Free Cinema“, gilt als einer der Pioniere des Mockumentary, des fiktiven Dokumentarfilms. Das Werk des englischen Regisseurs, der sich die Lehren aus Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“ zu eigen gemacht hat, inszeniert oft eine dystopische Zukunft, die der Gegenwart nicht weit entfernt ist, und übt radikale Kritik am Mediensystem. Ein weiterer Aspekt von Watkins’ Filmkunst ist die kollektive und partizipative Dimension, die besonders deutlich in seinem letzten Film, La Commune, zum Ausdruck kommt – einem monumentalen Werk, das in ständigem Dialog mit einem Kollektiv aus Aktivistinnen und Laiendarstellerinnen entstanden ist.
